Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen – volle Solidarität mit dem wissenschaftlichen Mittelbau!

Das Studierendenparlament der Hochschule Darmstadt hat auf Initiative der Linken Liste (F.I.S.H.) einstimmig die Resolution "Volle Solidarität mit dem wissenschaftlichen Mittelbau" verabschiedet. Damit stellt sich die Studierendenschaft an die Seite der Promovierenden und schließt sich der Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an: Die geplanten Kürzungen müssen verhindert und verbindliche Mindeststandards eingehalten werden.

Zum Hintergrund: Schon lange sind Befristung, Existenzangst und Abhängigkeit statt verlässlicher Perspektiven zur Normalität während der Promotionsphase geworden. Ein bundesweites Problem, dass sich an der h_da durch die Absicht massiver Reduzierung der Stellen (auf gerade mal 30 Prozent) zuspitzt. Wir nehmen dies nicht hin und stehen solidarisch an der Seite der betroffenen Wissenschaftler*innen. Wer gute Wissenschaft will, kann den Menschen, die sie leisten, nicht gleichzeitig die Existenzgrundlage entziehen.

Die geplanten Kürzungen sind eine Folge des Hochschulpakts 2026-2031, mit dem die rot-schwarze Landesregierung den hessischen Hochschulen und damit auch uns Studierenden nachhaltig schadet. Immer wieder hieß es, dass mit diesem Pakt eine Planungssicherheit einher gehe. Doch stattdessen bietet er vor allem eine Kürzungssicherheit. Statt die Hochschulen dauerhaft auskömmlich zu finanzieren, werden Sparzwänge im Namen der Hochschulautonomie weitergereicht – bis zu denjenigen, die Forschung und Lehre tragen.

Auch die Hochschulleitung muss sich ihrer Verantwortung als Arbeitgeberin stellen. Während andere Präsident*innen die katastrophale Situation im Zuge der Verhandlungen des Hochschulpakts öffentlich mit deutlichen Worten kritisiert haben, wurden an und in der h_da die Vorzüge von Planungssicherheit und versprochener Autonomie betont. Wer einen solchen Rahmen mitträgt, darf sich anschließend nicht darauf zurückziehen, dass die Kürzungen alternativlos seien. Die Verantwortung für die Beschäftigungsqualität endet nicht dort, wo die Haushaltsplanung unbequem wird.

Der wissenschaftliche Mittelbau umfasst die Beschäftigten unterhalb der Professuren, die einen wesentlichen Teil der Forschungs- und Lehrarbeit an der Hochschule leisten. Auch Studierende begegnen Promovierenden unmittelbar – etwa in Lehrveranstaltungen, bei der Betreuung von Studienarbeiten oder bei Prüfungen. Ihre Arbeitsbedingungen betreffen deshalb nicht nur die Promovierenden selbst, sondern auch die Qualität unseres Studiums. Wer gute Lehre und unabhängige Forschung will, muss den Menschen dafür mindestens ausreichende Arbeitsbedingungen ermöglichen.

Dass einzelnen Promovierenden an der h_da inzwischen eine Aufstockung aus den Prämienfonds von Professor*innen angeboten wird, löst das grundlegende Problem nicht. Solange etwaige Aufstockungen ungleich verteilt sind und ein Großteil der Betroffenen weiterhin unter einem Stellenumfang von 50 Prozent bleibt, ist der Mindeststandard nicht erreicht. Gute Arbeitsbedingungen dürfen nicht vom Wohlwollen einzelner Professorinnen oder den finanziellen Spielräumen einzelner Fachbereiche abhängen. Aufstockungen, größtenteils unterhalb der Mindeststandards, als Erfolg zu präsentieren, verkennt das Problem und verschärft weiterhin die prekäre Situation der meisten Promovierenden.

Dabei ist die Mindestgrenze von 50 Prozent keine beliebige Forderung. Die h_da hat Ende 2021 selbst den Kodex für gute Arbeit an Hessens Hochschulen unterzeichnet. In § 5 Abs. 6 dieser Selbstverpflichtung steht, dass Beschäftigungsverhältnisse mit dem Ziel der Qualifikation, also die Stellen der Promovierenden, einen Umfang von mindestens 50 Prozent haben. Außerdem ist mindestens ein Drittel der Arbeitszeit für die eigenständige wissenschaftliche Qualifikation vorzusehen. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) empfiehlt für Promotionsstellen in der Regel Umfänge von mindestens 65 Prozent und weist ausdrücklich darauf hin, dass auch höhere Stellenumfänge angemessen sein können.

Wer solche Standards unterschreibt, muss sich auch daran messen lassen. Die 50-Prozent-Mindestgrenze ist nicht verhandelbar. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Einhaltung selbst unterzeichneter Standards an unserer Hochschule zur Frage des verfügbaren Budgets oder individueller Finanzierungsmöglichkeiten gemacht wird. Finanzielle Engpässe dürfen nicht auf dem Rücken der Promovierenden ausgetragen werden. Wenn die Hochschulen ihre Aufgaben erfüllen sollen, müssen die notwendigen Mittel bereitgestellt werden – statt politische Sparvorgaben auf diejenigen abzuwälzen, die Forschung und Lehre überhaupt erst ermöglichen.

Die GEW Hessen hat frühzeitig auf die drohenden Kürzungen und die strukturellen Probleme der Arbeitsbedingungen an Hochschulen aufmerksam gemacht (siehe Link). Es geht um mehr als um einzelne Stellen: Gute Wissenschaft braucht Zeit, Sicherheit und die Möglichkeit, auch unbequeme Fragen zu stellen. Wer ständig um die eigene berufliche Zukunft bangen muss und von den Entscheidungen weniger Vorgesetzter abhängig ist, kann wissenschaftliche Freiheit nur unter erschwerten Bedingungen ausüben. Zugleich werden Menschen durch solche Perspektiven davon abgehalten, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen oder sie fortzusetzen.

Unabhängige Wissenschaft darf nicht nach Einsparungen und wirtschaftlicher Verwertbarkeit organisiert werden. Sie muss Raum für Kritik und gesellschaftlich notwendigen Erkenntnisgewinn bieten – auch dann, wenn deren Ergebnisse unbequem sind oder sich nicht unmittelbar in Wettbewerbsvorteile übersetzen lassen. Prekäre Beschäftigung ist deshalb kein individuelles Problem der Promovierenden. Sie gefährdet die Voraussetzungen für unabhängige Wissenschaft und gute Lehre insgesamt.

Unsere Forderung ist klar: Die Hochschule muss die Mindeststandards im Kodex für gute Arbeit einhalten und dementsprechend allen Promovierenden einen Stellenumfang von mindestens 50 Prozent ermöglichen. Nicht nur einigen. Nicht nur dort, wo sich individuelle Finanzierungsmöglichkeiten finden. Sondern für alle!

Die einstimmig verabschiedete Resolution des Studierendenparlaments an der h_da ist ein deutliches Signal. Wir fordern unsere Hochschulleitung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, und erwarten von der Landesregierung, die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen sicherzustellen. Vereinzelte Aufstockungen unterhalb der Mindeststandards sind kein Erfolg. Der Anspruch guter Wissenschaft muss sich in verbindlichen, fairen Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten ausdrücken.

Gute Wissenschaft gibt es nicht zum Hungerlohn. Wer an den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten spart, gefährdet die Wissenschaft selbst. Und davon hängt auch unsere Ausbildung an der Hochschule Darmstadt ab.

Ein Beitrag von Sascha Wellmann, Sprecher der Linken Liste (F.I.S.H.) und aktives Mitglied im Hochschulverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW Hessen). Der Antrag "Volle Solidarität mit dem wissenschaftlichen Mittelbau" der Linken Liste (F.I.S.H.) wurde am 20.10.2026 auf der 7. Sitzung des 55. Studierendenparlaments einstimmig angenommen.