Hochschule in finanzieller Abhängigkeit

Gastbeitrag von Sascha Wellmann, Sprecher der Linken Liste (F.I.S.H.) und aktives Mitglied im Hochschulverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW Hessen)

In einem Interview mit dem Darmstädter Echo (siehe siehe www.echo-online.de/lokales/darmstadt/hochschule-darmstadt-unter-druck-ueberraschend-geraeuschlos-5244461) hat sich der Präsident der Hochschule Darmstadt, Arnd Steinmetz, kürzlich dazu geäußert, wie die Einsparungen im Zuge des neuen Hochschulpakts an der h_da so organisiert werden, dass Studierende davon angeblich möglichst wenig zu spüren bekommen. Es hieß, es würden weder Studiengänge gestrichen noch das Veranstaltungsangebot ausgedünnt.

Schwer vorstellbar, wenn an den Fachbereichen 20% und an der Infrastruktur 14% gekürzt wird und Stellen auslaufen bzw. für mindestens 12 Monate unbesetzt bleiben; vielleicht auch etwas unglaubwürdig, wenngleich diese Sparpläne nahezu regungslos an der Hochschule wahrgenommen werden. Während die Kosten weiter steigen, wird es in den ersten Jahren der Laufzeit des neuen Hochschulpakts keine Sprünge geben. Erst 2027 soll das Budget-Niveau von 2025 erreicht werden und erst ab 2028 werden Tarifsteigerungen durch das Land kompensiert, bis dahin muss die Hochschule selbst sehen, wie sie entsprechende Lohnerhöhungen finanziert bekommt. Bis zum Ende der Laufzeit (2031) rechnen die 14 Hochschule in Hessen damit, dass ihnen ein hoher dreistelliger Millionenbetrag fehlt.

Diese Unterfinanzierung an der h_da ist nicht nur eine Absage an überfällige Renovierungen und Software-Lizenzen (von denen im Interview die Rede ist). Neben der Gefahr, dass das Studium und die Lehre drunter leiden, besteht auch die Gefahr der zunehmenden Abhängigkeit an Drittmittelgeber. Diese Gefahr wird beim Lesen des Interviews mit dem Hochschulpräsidenten in der Lokalpresse besonders deutlich: "Ich sag ganz offen: Ich klebe auch ein Baumarkt-Logo an den Vorlesungssaal, wenn die dafür die Ausstattung bezahlen" steht als Zitat unter dem Foto, auf dem der Präsident in die Kamera grinst.

Was auf den ersten Blick nach einer kreativen Idee klingt, ist auf dem zweiten Blick ein Verrat der Unabhängigkeit. Die desaströse Finanzlage darf nicht dazu führen, dass sich unsere Hochschulen für Wirtschaftsinteressen verkaufen. Wenn Hörsäle nach Unternehmen benannt werden oder deren Logos dauerhaft präsent sind, wird der akademische Raum schleichend zu einer Werbefläche umfunktioniert. Damit droht langfristig noch mehr Verschiebung von Erkenntnisinteresse hin zu Verwertungslogiken, die dem Anspruch unabhängiger Wissenschaft fundamental entgegenstehen.

Die Freiheit und damit auch Unabhängigkeit der Wissenschaft ist ein hohes Gut in einer Demokratie, international im Academic Freedom Index erfasst. Forschung und Lehre dürfen nicht in den Verdacht geraten, von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst zu werden oder sich diesen symbolisch zu unterwerfen. Was mit Logos an Türen oder Namen auf Sitzreihen beginnt, kann später subtilen Einfluss auf die Themenwahl, Forschungsprioritäten oder die öffentliche Wahrnehmung wissenschaftlicher Inhalte bedeuten. Statt strukturelle Unterfinanzierung durch Sponsoring zu kaschieren, braucht es eine verlässliche öffentliche Finanzierung der Hochschulen, die ihre Autonomie schützt und Bildung als gesellschaftliche Aufgabe ernst nimmt!

Am Ende des Zeitungsbeitrags vom 26. Dezember findet der Präsident überraschend klare Worte: "Ich halte es für gesellschaftspolitisch völlige Dummheit, was da gerade passiert", sagt Arnd Steinmetz. Die Bildung zu untergraben, sei "das Dümmste, was man machen kann."

Endlich! Wieso sich die Hochschule Darmstadt vor der Paktunterzeichnung jedoch so devot verhalten hat, bleibt ein Rätsel. Weder in der hochschulinternen noch in der öffentlichen Kommunikation hat die Hochschulleitung so klare Kritik verlauten lassen und stattdessen die schwache Argumentation der Landesregierung kopiert. Anderorts hieß es seinerzeit, dass mit dem neuen Hochschulpakt Kürzungen einhergehen, mit denen man nicht leben und mit denen vor allen ein Land nicht in die Zukunft entwickeln werden kann (siehe bspw. Statement der Präsidentin, Prof. Dr. Brigitte Franzen, der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach unter www.instagram.com/hfg_offenbach/reel/DK9QZG0M_ie), während an der Hochschule Darmstadt nur betont wurde, dass dieser Pakt immerhin Planungssicherheit und Autonomie bringe – am Ende eher eine Kürzungssicherheit mit der die Hochschulen alleine gelassen werden. Und in dem Punkt kann dem Hochschulpräsidenten nur zugestimmt werden: die Bildung so zu vernachlässigen ist das Dümmste, was man machen kann!

Es ist daher höchste Zeit, sich zusammenzutun, sich in Gewerkschaften zu organisieren und sich nicht einfach darauf zu verlassen, dass es uns an der h_da nicht so hart treffen werde! Passend dazu formiert sich gerade unter dem Label #NOCUTSINHESSEN ein Bündnis, bestehend aus Beschäftigten, Wissenschaftler*innen, Studierenden und Lehrenden.

Anmerkung: der Artikel gibt nicht unbedingt die Meinung des Allgemeinen Studierendenausschusses wieder.